Die Europäischen Union (EU) plant die Dauerzulassung von giftigen Pestiziden in der Landwirtschaft. Die Neuerung soll Teil eines großflächigen Bürokratieabbaus sein und in einem sogenannten Omnibusverfahren (dem Food & Feed Safety Omnibusverfahren) beschlossen werden. Für die Qualitätssicherung in der EU wäre das ein großer Rückschritt. Wir brauchen strengere Regeln für die Giftstoffe und keinen genehmigten Dauereinsatz!

So läuft die Zulassung von Pestiziden in der EU bis heute ab

Bisher werden Pestizide, auch Pflanzenschutzmittel genannt, immer nur für einen befristeten Zeitraum von der EU zugelassen. Dieser beträgt maximal 15 Jahre, bevor die Genehmigung erneut überprüft werden muss. Das heißt konkret: Nach 15 Jahren muss erneut behördlich geprüft werden, ob eine Weiterverwendung der Mittel, in diesem Fall also der Pestizide, empfohlen werden kann. Ist das der Fall, wird eine Zulassung für weitere maximal 15 Jahre ausgesprochen, bevor eine erneute Prüfung stattfindet. Dieser Kreislauf mag aufwändig erscheinen, ist aber sehr wichtig und darf deswegen nicht abgeschafft werden.

In 15 Jahren können sich die Bedingungen in der Umwelt so verändert haben, dass ein weiterer Einsatz der Pestizide nicht mehr vertretbar wäre, da sich bspw. die negativen Auswirkungen auf die Biodiversität drastisch verstärkt haben. Und das ist tatsächlich schon heute Realität: Das Umweltbundesamt verwies in einer 2024 veröffentlichten Mitteilung auf einen Bericht, der ein dramatisches Artensterben in der Agrarlandschaft bescheinigt. So nahm die Anzahl der Feldlerchen (26 % weniger), Kiebitze (65 % weniger) und Rebhühner (66 % weniger) in den letzten 24 Jahren erschreckend stark ab. Das steht laut dem Bericht in direktem Zusammenhang mit der intensiveren Bewirtschaftung der Felder, die neben dem Anbau von Monokulturen vor allem auf den massiven Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden setzt.

Pestizid-Folgen sind auch für Bestäuber verheerend

Und auch Insekten und Bestäuber wie die Biene bleiben von diesem Artensterben leider nicht verschont. Die versprühten Insektizide, also Giftstoffe, die es auf das Bekämpfen (also: Töten) von Insekten abgesehen haben, schaden den Tieren. Auch wenn die Insektizide nicht gezielt gegen Bienen eingesetzt werden, können sie diese negativ beeinflussen. Denn selbst an den Ackerrändern, wo das Pestizid nicht versprüht wird, sind noch Restmengen der Gifte zu finden. Hinzu kommen Herbizide, das sind Giftstoffe gegen unerwünschte Wildkräuter. Mit dem massiven Einsatz dieser Herbizide wird den Bienen ihre Nahrung genommen: Denn wenn dort keine Blühpflanzen mehr wachsen, können die Bienen auch nicht deren Nektar aufnehmen und die Pflanzen bestäuben. Dabei dienen gerade die Ackerränder den Wildbienen und anderen Insekten als wichtiger Rückzugsort!

Nun fragt man sich: Warum will die EU das Zulassungsverfahren für diese „Pflanzenschutzmittel“ denn eigentlich reformieren? Grund sind Kosteneinsparungen. Die EU-Kommission rechnet damit, über eine Milliarde Euro an sogenannten Verwaltungs- und Befolgungskosten einzusparen, wenn die Pestizide nicht mehr regelmäßig auf ihre Zulässigkeit überprüft werden. Man wolle die nationalen und EU-Verwaltungen entlasten. Auch Unternehmen würden von der geplanten Regelung profitieren.

Umweltverbände reagieren auf den Vorschlag der EU

Umweltverbände sehen diesen EU-Vorschlag mehr als kritisch. Wo die EU eine „Vereinfachung“ der Verfahren sieht, sehen die Verbände vor allem eins: eine Gefährdung des Umwelt- und Gesundheitsschutzes. Ein Bündnis aus Umweltschutzverbänden wie dem Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) Germany, in dem auch wir von proBiene mitwirken, dem BUND, ClientEarth und der Deutschen Umwelthilfe haben sich im Dezember 2025 deswegen bereits in einem offenen Brief an den Bundeslandwirtschaftsminister Rainer und Bundesumweltminister Schneider gewandt:  Wir fordern, dass sich Deutschland gegen das Food & Feed Omnibus-Paket der EU ausspricht und das Vorsorgeprinzip nicht missachtet.

Ende Januar 2026 wurde zudem ein von Verbraucher- und Umweltschutzorganisationen in Auftrag gegebenes Gutachten veröffentlicht, das die geplante unbefristete Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in der EU als rechtswidrig einstuft. Das Gutachten findet ihr hier. Mehr über das Pestizid Aktions-Netzwerk und seine Ziele könnt ihr hier nachlesen.

Das Food and Feed Omnimus-Paket, in dem die Dauerzulassung der Pestizide inbegriffen ist, soll Ende 2026 in der EU über den Tisch gehen. Das wäre ein fatales Zeichen! Wir dürfen nicht zulassen, dass die Umwelt und unsere Gesundheit wegen erhoffter Kosteneinsparungen dermaßen aufs Spiel gesetzt werden.

Geschrieben hat

Charlotte Dietrich