Kulturweit-Tandem-Projekt – Teil I

27. Januar | von admin

Traditionell-indigene Techniken der Bienenzucht im sub-sahararischen Kontinent Teil I

Ergänzungspotential von Mensch und Biene

Wer sich die Natur unseres Planeten anschaut, kommt nicht umher einen Blick auf die Biene zu werfen. Diese kleine, aber fundamentale Säule sehr vieler Ökosysteme sorgt durch ihr Dasein und Walten für das Überleben unzähliger Pflanzen. Als prominenteste Bestäuberin der Natur ist die Biene maßgeblich inbegriffen, wenn es um das erfolgreiche Wachsen der Wälder, ihrer Regeneration und dementsprechend die Biodiversität von ganzen Ökosystemen geht. Auf Basis dessen, müssen die Auswikungen der bienlichen Tätigkeit auch auf die Möglichkeiten einer nachhaltigen Strategie für den Kampf um die Klimakrise ausgedehnt werden. Nur die natürlichen Ressourcen der Umwelt sind in der Lage die menschgemachten Schäden am Biosystems der Erde abzufedern und langfristig wieder auszugleichen. Natürliche Ressourcen, die als z.B. Wälder gefasst, von der Biene abhängig sind.

Um einen Schritt daraufhin zu gehen, den Schaden an der Natur wiederaufzuarbeiten, ist ein Blick auf den Schaden am Menschen genauso notwendig. Die menschlichen Gemeinschaften werden für ihr Dasein nicht ohne Zugriff auf die Natur auskommen können. Doch bisher verläuft eben dieser Zugriff auf die Natur in sehr destruktiver Art und Weise, in Form von z.B. Ressourcenraub und Arbeitsausbeutung (woher kommen die seltenen Metalle in unseren Smartphones und wohin kommt der produzierte Müll?). Deswegen soll exemplarisch aufgezeigt werden, wie Menschen in einem harmonischen Verhältnis mit der Natur ihre Güter verwenden können. Ein schlagendes Fragment in dieser Betrachtung ist unbestreitbar die Frage nach der Versorgung mit Lebensmitteln. Hier spielt die Biene eine entscheidene Rolle im Aufbau von präventiven, längerfristigen Maßnahmen gegen z.B. Hunterkatastrophen.

Denn, in einem Umfang von 35% der Anbaukulturen zum menschlichen Verzerr sind wir direkt abhängig von den Bienen, d.h. 35% der verzehrfähigen Kulturen benötigen zwingend einer Bestäubung (Jørgensen 2021: 21), während darüber hinaus Schätzungen von bis zu 75% angesetzt sind, wenn eine indirekte Bezugnahme auf Bestäubung zur Qualitätssicherung in Betracht gezogen wird (Baumung u.A. 2021: 19). Die Anwesenheit von Bestäubern verbessert ungemein die Qualität und Quantität der landwirtschaftlichen Tätigkeit, dank des Einflusses derselben auf ein Ökosystem (Jørgensen 2021: 21ff). Damit sind Bienen und andere Bestäuber Schlüsselelemente in der landwirtschaftlichen Produktion und folglich der weltweiten Bekämpfung von Hungerproblemen (ebd.). Sie können die landwirtschaftliche Lage schwieriger Terrains und Klima abfedern und in nicht alleine dieser Hinsicht eine nachhaltige Ressourcenförderung ergänzen. Denn bereits die Biene alleine kann eine Gemeinschaft sehr weit unterstützen.

Dieser Artikel möchte, ausgehend von dieser kurzen, aber tiefgreifenden Skizze der Bedeutung von Bienen für Gegenwart und Zukunft, beleuchten, welche umwelt- und gemeinschaftsfreundlichen Techniken die Bienenzucht haben kann, um damit anzustoßen, mit einer Ausweitung der weltweiten Beschäftigung mit der Biene anzufangen. In einem nächsten Artikel soll die konkrete Anwendung von Bienenzucht, nach traditionell-indigener Federführung anhand der Ogiek Gemeinschaft in Kenya, betrachtet werden. Aus den gesammelten Ergebnissen soll ein impulsgebenes Potential entwickelt werden, inwiefern Gemeinschaften angesichts des drohenden Klimawandels zu einem gesunden Verhältnis von natürlicher Umgebung, Biene und Mensch gelangen können, welches ohne die destruktiven Lebensweisen einer modern-industriellen Gesellschaft und ihren Ausbeutungen auskommt.

Menschen und ihre bienenfreundlichen Behälter

Ein gesundes Mensch-Biene-Verhältnis ist seit langer Zeit integral für viele Gemeinschaften gewesen. Im sub Saharischen Kontinent haben Menschen bereits sehr früh damit angefangen, sich mit der Biene auseinanderzusetzten. Neben einem tiefgreifendem Verständnis über die Natur wilder Bienenvölker (siehe letzter Artikel) sind auch ausgefeilte Techniken der domestizierten Bienenzucht entstanden. Es wird spekuliert, dass Bienen freiwillig in menschgemachte Behälter geschwärmt sind, woraufhin die Menschen dieses Verhalten nach erstmaligen Beobachtungen antizipieren und beeinflussen konnten, insofern sie Behälter bewusst aufstellten. Die Herstellung solcher Behältnisse hat sich schnell über die verschiedensten Migrationsrouten und Gemeinschaftsgrenzen hinweg ausgebreitet. Die spezifische Art der Herstellung hat sich nach dem natürlichen, unmittelbaren Umfeld sowie den menschliche Bedürfnissen ausdifferenziert und so hohe Anpassungsfähigkeit an die Anforderungen einer Gemeinschaft gezeigt. Urzeitliche Zeugnisse dessen finden sich z.B. in Höhlenmalereien in Zimbabwe: auf der Höhlenmalerei in Figur 1 ist ein Bienenstock abgebildet, wie er nicht natürlicherweise von Bienen gebaut und darüber hinaus von einer humanoiden Figur umsorgt wird (wahrscheinlich mit einem Smoker). Figur 2 zeigt einen äthiopischen Bienenstock, wie er sich aus getrocknetem Gras und Erde herstellen lässt (Crane 1963).  Das Wissen indigener Gemeinschaften erweist sich hier als tiefgehende Weisheit in ein harmonisches Mensch-Natur-Verhältnis. Demgegenüber werden heutzutage in weiten Teilen des afrikanischen Kontinents die sogenannten Langstroth Bienenstöcke (mobile Waben) fälschlicherweise als “modern” bezeichnet, insofern demgegenüber die lokal-traditionellen Bauweisen gestellt werden (Baumung u.A. 2021: 8).

Doch sind gerade die geringen Hürden zur Herstellung, sprich: die lokale Verfügbarkeit der benötigten Materialien (Pflanzenteile, Erde, Mineralien, Steine), die vergleichsweise unkomplizierte Bauweise, die daraus resultierenden, geringeren Kosten und die Möglichkeit einer höheren, gleichzeitig betreuten Stückzahl (die die geringere Effizienz wieder wett zu machen) ein sehr willkommender Vorteil im Kampf um genügend Resillienz für die Klimakrise und Hungerkatastrophen (Baumung u.A. 2021: 8, 20). Wenn die Menschen richtig ausgebildet und sich den Gefahren für ein Bienenvolk, wie bspw. Pestiziden und Krankheiten, bewusst sind, dann können Bienenvölker in natürlichen, zylindrischen Gefäßen sehr gesund heranwachsen. Der Zylinder und das lokal gesammelte Material imitieren das seit je her gelebte Habitat der Bienenvölker (Baumung u.A. 2021: 8). Viele der traditionell gehaltenen Bienenvölker Afrikas erreichen ihre Potentiale gerade weil sie in ihrem natürlichen Umfeld gehalten werden – dass trägt zur Gesundheit der Bienen und zur Verträglichkeit mit der Umwelt bei (Baumung u.A. 2021: 19) Mit lokal-traditionellen Bauweisen wird damit die Möglichkeit einer Grundlage gegenüber Notständen geschaffen, die eine deutlich bessere, weniger destruktive Bilanz im Verhältnis zur Natur haben, als die gegenwärtige Lebens- und Produktionsweise.

Aufgrund ihrer lokalen Herstellungsweise unterscheiden sich traditionelle Bauweisen von Bienenstöcken sehr voneinander. Es gibt u.A.: Rundholz-Bienenstöcker (log hives), welche zwischen 50cm und 1,5m lang sein können und einen Durchmesser von 25cm-50cm einnehmen (Chen C. u.A. 2021: 38). Diese sind aus den Baumstämmen lokal wachsener Arten hergestellt worden. Ob Totholz oder absichtlich entfernt, in beiden Fällen wird ein Hohlraum hineingeschnitzt, welcher zu beiden Seiten versiegelt wird und einzig ein kleines Flugloch übrig lässt (Figur 3). Bienenstöcker aus Rinde lassen sich schnell und einfach herstellen, indem die Rinde solcherart geerntet wird, dass ihre ursprüngliche form erhalten bleibt. Die beiden Enden werden mit Holz oder gewobenem Gras versiegelt (Figur 4). Sowhol Rundholz- als auch Rinden-Bienenstöcker werden i.d.R. mehr als 3m weiter oben in den Bäumen platziert (Figur 5). Es gibt außerdem Bienenstöcke aus Schilfgrass und weiteren natürlichen Fasern und/oder Stöckern, welche u.A. mit Dung oder Erde beschichtet werden, um zusätzlichen Schutz zu gewährleisten und dementsprechend wie ein typischer Behälter aussehen können (Figur 6). Sie erhalten eine ein- oder beidseitige Versieglung. Während sich die Erde hier als Festigung des Gerüstes geeignet hat, sind Menschen auch alsbald dahinter gekommen, dass manche Mineralzusammensetzungen in der Erde besonders gut dafür geeignet sind und auch Gestaltung mit Ton möglich ist. Auch Bienenstöcker wurden mit der Zeit aus Ton hergestellt bzw. nicht mehr verwendete Tongefässe umfunktioniert. In vielen kulturellen Verwendungsweisen, z.B. als Rassel für Musik und Tanz, finden sich außerdem Flaschenkürbisse. Sie haben auch diverse praktische Anwendungen gefunden: Wasser tragen, Dinge verstauen und auch gezielt Bienen Unterschlupf gewähren.

Ausblick und Übergang zum nächsten Artikel

Die vorkolonialen, afrikanischen Wissensweisen im Umgang mit Bienen sind dementsprechend sehr weitreichend und mehr denn je gefragt. Doch sind sie nicht gänzlich an den Kolonialismus und seine Nachbeben in afrikanischen Staaten verloren. Manches hat sich erhalten – u.A. im Mau Wald des heutigen Kenias, wo die Ogiek Gemeinschaft seit langer Zeit Kämpfe um ihr Dasein führt. Kämpfe, die nicht explizit auf die Herausforderungen mit der Natur hinweisen – denn mit dieser leben sie sehr harmonisch. Sondern vielmehr kämpferisch in dem Sinne sind, als die Menschen dieser Gemeinschaften erst mit der britischen Besatzung und schließlich mit der kenianischen Regierung im Widerspruch liegen und sich ihrer Existenzgrundlage bedroht sehen, um welche sie bis heute rechtlichen Streit führen. Dieser Artikel wird in Teil II fortgesetzt.

  • Figure 1: Crane, Eva (1999): The World History of Beekeeping and Honey Hunting, Routledge.
  • Figure 2: Crane, Eva (1963): The world's beekeeping - past and present, In: The hive and the honey bee, ed. R.A. Grout, Hamilton, IL: Dadant & Sons
  • Figure 3: Chen C., Fang Y., Fontana P., Lloyd D. J., Martinez L., Mukomana D., Roberts J. M. K., Schouten C.N. (2021): Chapter 6, In: Food and Agriculture Organization United Nations (Hrsg.): Good beekeeping practices for sustainable apiculture, FAO Animal Production and Health Guidelines No. 25., online verfügbar unter Beekeeping contributes to achieve the Sustainable Development Goals - APIMONDIA [zuletzt aufgerufen am 09.02.2023].
  • Figure 4: Chen C., Fang Y., Fontana P., Lloyd D. J., Martinez L., Mukomana D., Roberts J. M. K., Schouten C.N. (2021): Chapter 6, In: Food and Agriculture Organization United Nations (Hrsg.): Good beekeeping practices for sustainable apiculture, FAO Animal Production and Health Guidelines No. 25., online verfügbar unter Beekeeping contributes to achieve the Sustainable Development Goals - APIMONDIA [zuletzt aufgerufen am 09.02.2023].
  • Figure 5: Abebe, A., Tadesse, Y., Equar Y., Faji, M., Alebachew, H. (2016): Analysis of honey production systems in three agro-ecologies of Benishangul-Gumuz, Western Ethiopia, In: Journal of Agricultural Extension and Rural Development Vol.8(3), online verfügbar unter Analysis_of_honey_production_systems_in_three_agro.pdf [zuletzt aufgerufen am 09.02.2023]
  • Figure 6: Chen C., Fang Y., Fontana P., Lloyd D. J., Martinez L., Mukomana D., Roberts J. M. K., Schouten C.N. (2021): Chapter 6, In: Food and Agriculture Organization United Nations (Hrsg.): Good beekeeping practices for sustainable apiculture, FAO Animal Production and Health Guidelines No. 25., online verfügbar unter Beekeeping contributes to achieve the Sustainable Development Goals - APIMONDIA [zuletzt aufgerufen am 09.02.2023].

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