Kulturweit-Tandem-Projekt – Allgemeines

27. Januar | von admin

Zum Projekt selbst

Kulturweit Tandem ist ein vom Auswärtigen Amt gefördertes Projekt und Teil des Maßnahmenkatalogs der Bundesregierung gegen Rechtsextremismus und Rassismus, in welchem die Zielsetzung unter Punkt 29 als eine “Kolonialismusaufarbeitung im internationalen Kontext” (1) präzisiert wird. Kulturweit Tandem hat daher insgesamt 60 Personen aus Ghana, Togo, Kamerun, Namibia, Kenia und Deutschland eingeladen, sich mit der Geschichte und Gegenwart des (Neo)kolonialismus auseinanderzusetzen – zuerst im Rahmen eines einmonatigen Seminars in Nairobi, Kenia und anschließend in Deutschland. Ziel der Finanzierung ist es, Projekte in den Bereichen Kultur, Bildung und Nachhaltigkeit zu entwickeln. Diese sollen von deutschlandweit verteilten Tandem-teams gemeinsam umgesetzt werden sollen (jeweils eine Person aus Deutschland und Afrika). Dies geschieht durch die Vermittlung besagter Tandem-Teams an eine gesellschaftliche Organisation mit Sitz in Deutschland. Das hier vorgestellte Projekt wird von Cindy Wonder Marfo, Victor Cassagnes und ProBiene durchgeführt.

Die Perspektive dieses Projekts

Als Tandem-Team bemühen wir uns vor dem umweltpolitischen Hintergrund unserer Einsatzstelle um eine systemische Perspektive auf die ökologischen Zusammenhänge unserer Zeit. Dabei geht es um die Betrachtung des Verhältnisses von menschlicher Gemeinschaft und Natur, ausgehend von der Überlegung, dass die Natur sich sozusagen 'durch den Menschen selbst bewusst geworden ist' und dass der Mensch auf die Natur angewiesen ist, insofern er aus ihr hervorgeht - während umgekehrt die Natur wunderbar ohne den Menschen auskommen kann. Mit Blick auf die menschliche Gemeinschaft ist daher zu fragen, inwieweit ihre

Reproduktion - also die Nutzung ökologischer Ressourcen für die alltäglichen Bedürfnisse - durch den gegenwärtig vorherrschenden Imperativ des globalen Wirtschaftens geprägt ist. Denn dieser Imperativ geht von den hochindustrialisierten Gesellschaften in ihrem Streben nach Fortschritt und Wohlstand aus. Dieser Umstand drückt sich u.a. in Folgendem aus: Technologische Entdeckungen ermöglichten es, mehr Räume zu betreten, mehr Ressourcen zu verbrauchen, mehr exotische Güter zu konsumieren. Die expansiven Entdeckungen des westlichen Industriezeitalters ließen die Menschen nach mehr Lebensqualität verlangen, um den Preis einer immer noch ungedeckten Grundnachfrage des globalen Durchschnitts, wie ein Blick auf die Verortung der Kulturgüter, der wirtschaftlichen Vermögenswerte und der Grundgüter der Welt zeigt. Während der rein ökonomische Konsum stetig relevanter und die naturharmonische Reproduktion immer unwichtiger geworden ist, wird der Wohlstand einer Nation zusätzlich durch ihren Fortschritt bestimmt. Ein Fortschritt, der sich heute vor allem durch die ständige Notwendigkeit auszeichnet, den Konsum so effektiv und umfangreich wie möglich anzubieten, um durch rastlose Nachfrage Profit zu machen. Folglich wird der Konsum in modern-westlichen Staaten nicht als Mittel zur Reproduktion oder zum Genuss, sondern selbst als erstrebenswerter Zielwert gesehen. Das natürliche, ökologische Funktionieren der Erde und die auf sie zugreifende menschliche Ökonomie werden in zwei unterschiedliche Narrative gespalten. Dies zeigt sich sehr deutlich an zwei Merkmalen der heutigen Mensch-Natur-Beziehung:

  • Zeitlich gesehen arbeitet die Natur in längerfristigen Maßstäben als die aktuelle Wirtschaftsweise. Z.B.: Die ökologisch benötigte Zeit, zur Bildung von Erdöl unter der Erdoberfläche, liegt im Vergleich zu der Zeit, die für die Förderung und Veredelung eben dieses Erdöls seit den Anfängen der Industrialisierung aufgewendet wird, weit zurück - Erdöl bildet sich viel langsamer als es gefördert wird.
  • Die Funktion eines Ökosystems beruht auf einem sehr empfindlichen (Fließ)gleichgewicht der Beziehungen zwischen Tieren, Pflanzen und nicht-organischem Material. Die Verflechtungen der biologischen Prozesse sind einzigartig und sensibel beeinflusst, während der Zugang des Menschen zu den natürlichen Ressourcen auf der Prämisse des Eingriffes zugunsten wirtschaftlicher Dynamiken beruht (Monokulturen, Waldrodung, Ölförderung).

Dieses kurz skizzierte, umweltpolitische Verständnis Natur stellt nicht die einzige Problemperspektive dar. Die Ausbeutung der Erde erfolgt durch dieselben globalisierten, systemischen Strukturen der Wirtschaftstätigkeit, die auch die Ausbeutung von Menschen durch Menschen rechtfertigen. Historisch gesehen kennzeichnete der Kolonialismus das weltumspannende Bestreben technologisch fortgeschrittener Gesellschaften, weniger gut ausgerüstete menschliche Gemeinschaften und deren Land auszubeuten. Durch gewaltsame Aneignung erklärten die Kolonialmächte ihren Besitz und ihre Herrschaft über ehemals fremde Räume, Kulturen und Menschen zwecks einer Selbstbereicherung in weltumspannendem Ausmaß. Koloniale Strukturen ermöglichten den Zugriff auf menschliche Arbeitskraft, gesellschaftliche Reichtümer und Ländereien als Ressourcen für den Aufbau von Fortschritt innerhalb eines westlichen Zentrums der Herrschaft.

Während sich das Zentrum heute in weitere Dimensionen (auch innerhalb von Ländern) ausdifferenziert hat, bleiben die formalen Strukturen der Ausbeutung von ähnlicher Dynamik: Die Reproduktion von wirtschaftlichen, politischen Eliten zum Nachteil weiter Erdteile bleibt weiterhin in der globalen Gemeinschaft verankert - z.B. durch ein ständiges, profit-orientiertes Interesse der Wirtschaft an Zugang zu neuen Ressourcen, die zu Waren gemacht werden können, welche in diversen Extraktions-, Produktions- und Lieferketten in die Wohlstandszentren dieser Welt verbracht werden. Zu Marktwaren im Kapital- statt Gemeinschaftsinteresse sind u.A. folgende Bereiche einbegriffen worden: Seltene Metalle und Öl, Grundwasser, Art der Anbaukulturen, kulturelle Identitäten, Biodiversität und Tourismus. Interessen die profit-orientiert sind müssen die Güter und Ressourcen ihres Interesses zwangsläufig monetarisieren, d.h. als eine Angelegenheit des Geldes adressieren, statt sie im Kontext von menschlichen Bedürfnissen zu sehen. Ein großer Teil des Reichtums der Weltgemeinschaft wird auf dem Rücken der Natur und der Unterdrückten produziert, welche vom Profit des Systems nichts sehen. Das ist die Ausgangslage der Probleme die wir aufgreifen möchten.

Arbeitsprämisse des Projekts

Dementsprechend fußt dieses Projekt auf dem Wunsch, die europäische Geschichtsschreibung zu überdenken, westliche Wissensstandards zu hinterfragen und vorkoloniales Wissen aus dem subsaharischen Kontinent zu untersuchen, inwiefern es dazu beitragen kann, die destruktiven Auswirkungen des aktuellen Systems auf Natur und Mensch abzufedern. Wir wollen unsere Ergebnisse für Bildungsräume bzw. -zwecke in Form von Workshops und Blogartikeln zugänglich machen. Die Projektarbeit zielt darauf ab, Fragmente, Bilder und Impulse über das vorkoloniale afrikanische Natur-Mensch-Verhältnis zu vermitteln und aufzuzeigen, wie dieses Wissen die Gemeinschaftsbildung für eine Zukunft ohne Ausbeutung von Natur und Mensch erleichtern könnte. Z.B.:

  • Traditionell-Indigene Imkereipraktiken, die eine umweltfreundliche Lebensweise in ländlichen Gebieten unterstützen und die gemeinschaftliche Widerstandsfähigkeit gegenüber der Klimakatastrophe stärken.
  • Traditionelle Bauweisen von Steinterrassen in der Landwirtschaft, um Überschwemmungen vorzubeugen und das Ökosystem in trockenen Gebieten zu stärken.

Unsere Arbeitsprämisse wird durch ein Adinkra mit der Bezeichnung Sankofa ausgedrückt. Diese Ideen sind in der Akan-Kultur im heutigen Ghana und der Elfenbeinküste entstanden. Adinkra sind Symbole, die Konzepte oder Aphorismen darstellen. Die Symbole stellen Botschaften dar, die traditionelle Weisheiten und Aspekte des Lebens oder der Umwelt vermitteln. Adinkra werden gewöhnlich von einem Sprichwort oder einer Geschichte begleitet. Es gibt mehrere Adinkras, eines von ihnen ist:

Der Sankofa-Vogel ist eines von vielen verschiedenen Adinkra-Symbolen, die in der Gemeinschaft der Akan, aber auch bei anderen westafrikanischen Gruppen zu finden sind. Es steht für eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, um Wissen für eine bessere Zukunft nutzbar zu machen. Das Sankofa symbolisiert die Suche der Akan-Gemeinschaft nach solchem Wissen, das in der Vergangenheit liegt und impliziert eine kritische sowie geduldige Untersuchung. So dient die Weisheit der Vergangenheit als Leitfaden für den Aufbau einer besseren Zukunft.

Das zugehörige Sprichwort lautet:

Se wo were fi na wosankofa a yenkyi

(deutsch="wenn du vergisst und du zurück gehst und nimmst, ist es nicht verwerflich"). Sankofa leitet sich von drei Wörtern in der ghanaischen Sprache Twi ab, die Folgendes bedeuten:

San= Rückkehr, Ko= Gehen, Fa= Suchen und Nehmen

Das frühe Mensch-Biene-Verhältnis der San Gemeinschaften Südafrikas

Einleitung in das Mensch-Biene-Verhältnis

Wenn wir bedenken, dass Ostafrika die Wiege der Menschheit ist, muss es nicht verwunderlich sein, frühe Belege für die Beziehung zwischen Mensch und Biene in den Ländern südlich der Sahara gefunden zu haben - insbesondere in dem heutigen Botswana, Simbabwe, Sambia, Angola und Südafrika.

Die Bienen selbst bevölkern die Welt seit 10-20 Millionen Jahren (Crane 1976: 2) und haben die ersten Schritte der Menscheit sehr lange bereits begleitet. Es wird angenommen, dass die frühesten bekannten Interaktionen zwischen menschlichen Verwandten und Bienen auf frühere Evolutionsstufen und verzweigte Arten, wie bspw. Pavianen, Gorillas und Schimpansen, zurückgehen. Es ist bekannt, dass Primaten lange Zweige als Werkzeuge benutzen, um sie mit Honig beschmiert wieder aus dem Bienennest herauszuziehen (Crane 1976: 2). Als die Menschen begannen sich über den Erdball auszubreiten, hinterließen sie überall auf der Welt Spuren des Wissens über Bienen. In Spanien z.B. lässt sich eine Felsmalerei finden, die eine humanoide Figur zeigt, wie sie auf einen Baum klettert, um Honig aus einem Nest zu sammeln (Crane 1963: 2). Gemälde dieserart informieren uns über Menschen, die seit Jahrtausenden wilde Bienenvölker aller Art um ihren Honig brachten. In Afrika waren das insbesondere die Honigbienen und die stachellosen Bienenarten (Tribe 2015).

In Südafrika haben Menschen die Felsen ihrer Umgebung mit einer Ikonografie von Bienen, ihrem natürlichen Habitat und mit diesen interagierenden, humanoiden Figuren bemalt, die auf mitunter 3000 Jahre zurückdatiert werden (Hollman 2015: 344). Die in diesem Artikel besprochenen Malereien stammen aus der Hand der nomadischen San-Gemeinschaften. Sie sind in den südafrikanischen Gebieten heimisch und haben ihre Malereien nicht allein als spirituell bedeutsam verstanden, sondern ihren Werken auch das eigene kollektive Wissen über Bienen eingeschrieben. Insofern dokumentierten und lehrten die San möglicherweise mehrere Generationen bis ihre Lebensweise von kolonialen und modernen Umständen grundlegend gefährdet wurde. Heutzutage ist ein großer Teil des Wissens an den Stein verloren gegangen oder liegt bei verbliebenen indigenen Gruppen. Durch Interviews mit den Menschen, die Nachfahren der ursprünglichen Wissensträger sind, und durch wissenschaftliche Feldforschung von westlich informierten Fachleuten, ist überliefert worden, dass die

Gemeinschaften zweifellos ein tiefgehendes Wissen über Bienen inne hielten (Pager 1971 & '73, Guy 1970 & '72, Hollman 2015). Dieses teilweise erhaltenes Wissen überlässt Außenstehenden viel der Spekulation, denn das Lesen dieser Gemälde ist kompliziert und I.d.R. den Eingeweihten vorbehalten. Nichtsdestotrotz zeugen die Gemälde von einem ausgeklügelten Wissen über die Natur der Bienen und lassen vermuten, dass der Mensch sich dieses Wissen seit langem zunutze gemacht hat - sei es für Medizin, Ernährung oder Spiritualität. Dieser Blog-Artikel soll ein grundlegendes Verständnis der frühen Mensch-Bienen-Beziehung im südlichen Afrika vermitteln und einen Grundstein für einen zweiten Artikel über zeitgenössische Arbeit mit Bienen auf der Basis von Gemeinschafts- und Resilienzbildung legen.

Bienen-Ikonographie der nomadischen Völker der San

Besonders die Gebiete der nördlichen uKhahlamba-Drakensberge und die Gebiete von KwaZuluNatal in Südafrika (Hollman 2015 & Krugerpark 2020) sind von Interesse und reich an zu besprechendem Erbe. Auch in Namibia und Simbabwe wurden ähnliche Felsmalereien gesichtet (Hollman 2015: 344, 347 & Pager 1973). Abbildung 1 (ebd.) zeigt Formen, die von H. Pager als katernäre (U-förmige) Formen aus abwechselndem Rot und Weiß beschrieben werden ([eigene Übersetzung] Pager 1971: 349). Die geschwungene und sich verändernde Struktur der Reihen ähnelt den Formen natürlich vorkommender Honigwaben. Abbildung 2 von Dr. Goeff Tribe (2015) zeigt ein Wildbienenvolk als Referenz.

Diese Malereien wurden nicht nur an solchen Orten angebracht, dass sie auf natürlichem Lebensraum von Bienen hindeuten - etwa in Steinritzen oder unter Strukturen, die es den Völkern ermöglichen in relativer Sicherheit Waben zu bauen, z. B. Steinsimse, wie in Abb. 3 und 4 (Tribe 2015) gezeigt. Einige von diesen Wabenförmigen Malereien wurden auch von kleinen Ansammlungen markanter Punkt- und Strichzusammensetzungen begleitet - wie in Abb. 2a+b (Tribe 2015) gezeigt. Diese als Bienen identifizierten Zusammensetzungen schienen aus einem Steinspalt in der Felswand zu kommen, neben welchem diese Malereien gefunden wurden – diese unmittelbare Nähe der Bilder wurde als Hinweis darauf gelesen, wo Bienen im ökosystemischen Netz ihre Nischen finden und insofern vom Menschen angetroffen werden können (Guy 1970, 1972; Pager 1971).

Die Waben- und Bienenmalereien lassen in gewisser Weise darauf schließen, dass die San wussten, wo und wie Wildbienenvölker ihre Nester bauen. Ob sie beispielhaften Charakter hatten, um von Generation zu Generation das Auffinden von Bienenvölkern zu vermitteln und so Lehrmaterial über das Auffinden von Bienenstöcken für nachfolgende Generationen dargestellt haben oder sie sogar spezifische Populationen markierten, um als eine Art Landkarte zu dienen, ist noch unbekannt. Die Nomadenvölker der San mögen sich den Standort von Bienenstöcken gemerkt haben, um irgendwann zurückzukehren. Doch bleiben diese Interpretationen offen, da die Spiritualität der San eine Rolle spielt, die hier nicht diskutiert werden kann.

Neben einer solchen kartografischen Herangehensweise an Bienennester, wissen wir außerdem von den San, dass sie Kenntnis von den spezifischen Verwendungsweisen der Waben hatten. Alle vorgenannten Abbildungen zeigen eine Unterscheidung von Wabenreihen. Sie sind durch unterschiedliche Farben gekennzeichnet, so dass verschiedene Wabentypen dargestellt werden können. Die San verwendeten hauptsächlich rote Farbe, die von orange bis braun reichte (Krugerpark 2022). Sie verwendeten auch Weiß, Schwarz und Gelb in ihren Gemälden. Die Farben wurden aus Hämatit (roter Ocker) hergestellt, Gelb aus Limonit (gelber Ocker), Schwarz aus Holzkohle, und Weiß (eine Farbe, die sich nicht gut hält) wurde vermutlich aus Vogelkot oder Kaolin gewonnen (ebd.). Das Blut eines Elands, eines Tieres mit großer religiöser und symbolischer Bedeutung, wurde oft in die Farbpigmente gemischt (ebd.).

Mit dieser Farbpalette waren die San in der Lage, die Honigwaben in verschiedenen Reihen darzustellen. Hollman (2015) argumentiert, dass diese Art der Farbführung bzw. das Farbschema, nicht nur einen Einblick in die Struktur des Nestes vermittelt, sondern auch Wissen über die verschiedenen, bienenstockspezifischen Verwendungsweisen der Waben darstellt, d.h. ein Klassifizierungssystem ermöglicht hat (Hollman 2015: 345ff). Die Unterscheidung zwischen Honigwaben (Zellen, in denen Bienen Honig erzeugen und lagern) und Brutwaben, in denen sich die Larven zu erwachsenen Bienen entwickeln (ebd.: 346), unterscheidet sich in Textur, Form und Farbe. Rote Kurven könnten dunkler gefärbte Waben darstellen (möglicherweise Brutwaben). Weiße dagegen könnten die Zwischenräume zwischen den Waben oder hellere Waben darstellen, die Honig enthalten (ebd.: 349). Hollman vermutet sogar, eine Bienenköniginnenzelle identifiziert zu haben (ebd.: 349).

Die Darstellung verschiedener Arten von Brutwaben in den Bildern von Bienennestern kann mit einer bestimmten Phase im Lebenszyklus der Bienenpopulation in Verbindung gebracht werden, da einige Bilder eine Phase hervorzuheben scheinen, in der Honig und Brutzellen/-waben besonders reich sind, sprich: kurz vor dem Schwärmen stehen (Hollman 2015: 348). Unterstützt wird diese Interpretation durch die Darstellung humanoider Figuren, die wilden Honig rauben und vor Nestern tanzen. Daraus lässt sich ableiten, dass die San diese Entwicklungen zu schätzen wussten und sie zu ihrem Vorteil nutzten (ebd.: 345f, 360). In dieser Hinsicht und mit Blick auf das Wissen um den Standort der Bienenvölker, werden die Wandmalereien zusätzlich als Transkription von Saisonalität zugänglich. Wenn die Darstellungen der Bienenvölker sich nach zeitlichen Kriterien voneinander unterscheiden, sind die San-Bilder von der Natur der Biene nicht allein als Landkarte zu lesen, sondern auch als eine Art Kalender.

Von der nomadischen zur häuslichen Imkerei

Dies sind sehr frühe Belege für die Beziehung zwischen Mensch und Biene, als die Bienen in der freien Natur gefunden und für menschliche Aktivitäten und Vorteile genutzt wurden. Heute wissen wir, wie Menschen Bienen halten können, d. h., wir haben Bienen domestiziert. Eine Deutung, wie der Mensch die Bienen in seine nähere Umgebung und Lebensweise integriert hat, geht von der Gewohnheit der sozialen Bienen aus, in hohlen Behältern zu nisten (FAO 2021: 7, 19). Seit prähistorischen Zeiten haben sich die Menschen verschiedener Instrumente bedient. Eines der wichtigsten davon ist der Behälter (FAO 2021: 19). Einige dieser Behälter hatten die perfekte Form und Größe für Bienen, um darin ihre Nester zu bauen und ein neues Volk zu gründen. Es wird angenommen, dass die Bienen einige dieser Behälter während des Schwärmens freiwillig betreten haben (ebd.: 19). Nachdem die Menschen beobachtet hatten, dass die Bienen diese Behälter als Nester wählten, waren sie in der Lage, diese Behälter absichtlich zu bauen und aufzustellen. Mit der Ausbreitung der Bienenzucht in verschiedene geografische Gebiete änderten sich die Bienenstöcke je nach Standort und Verfügbarkeit der örtlichen Materialien.

Einige der frühen Methoden und Techniken werden aufgrund der geringen Kosten, Inanspruchnahme der unmittelbaren Umgebung und des hohen Nutzens der Bienenzucht für die Familie und die Gemeinschaft auch heute noch angewandt. Am Beispiel des Volkes der Ogiek im heutigen Kenia, Mau Forest, soll in einem zweiten Artikel erörtert werden, welche Auswirkungen die Bienenzucht nach indigenem Wissen für eine Gemeinschaft haben kann.

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