Kulturweit-Tandem-Projekt – Teil II

27. Januar | von admin

Traditionell-indigene Techniken der Bienenzucht im sub-sahararischen Kontinent Teil II

Schwierige Umstände und die Hilfe der Biene

Außerhalb weniger Gebiete des Hochlandes in Zentral-Mittel-Kenia sind weite Teile der Landstriche ausgesprochen ungeeignet, um Landwirtschaft bedürfnisorientiert und nachhaltig zu ermöglichen. Insbesondere in Richtung flachländischer Küste und im Norden des Landes sind die Umstände schwierig – obwohl es Dürre, Nahrungsmittelknappheit und ein hoher Anteil landwirtschaftlicher Erwerbstätigkeit es eigentlich erforderlich machen würden, den Boden bestellen zu können. In den trockenen Gebieten Kenias ist das Ausmaß an Armut vergleichsweise gravierend, dort wo die Dürre den Boden karg werden lässt und der geringe Ernteertrag ohnehin unwirtlich wächst.

In diesen harschen Bedingungen kann eine bessere Flächennutzung, die den Gegebenheiten und Bedürfnissen einer Gemeinschaft in solcher Umwelt helfen würde, mit einer intensivierten Bienenzucht anfangen (Wangunyu 2019a). Die Qualität nachhaltiger Flora ist unmittelbar an die Biene gebunden und vermag viel ökologisches Potential aus ihrer Anwesenheit ziehen, z.B. zur Regeneration und zum Wachstum savannischer sowie wäldischer Lebensräume. Letztere federn sowohl Trockenheit als auch Hitze ab (Wasser wird gespeichert und der Sonne wird Schatten entgegengehalten). 

Die Bienenzucht würde außerdem wertvolle Produkte zum eigenen, unmittelbaren Gebrauch und weitertragend auch zum Verkauf auf dem Markt erzeugen. Denn die Güter der Biene sind sehr nützlich in volkstümlicher Medezin und sehen sich auch mit hoher internationaler Nachfrage bedacht. Die antibakteriellen Eigenschaften bienlicher Erzeugnisse sind sehr gut geeignet zur Lagerung von Nahrungsmitteln, zur Desinfektion leichter, äußerlicher Wunden und in Wasser gemischt als Linderung von Diarrhoea (Mateescu 2021). Auf dem Haushaltslevel reichen zu diesen Zwecken schon geringe Mengen an Honig (ebd.). Ebenso zur Unterstützung des Einkommens ist die Biene hilfreich. Besonders traditionell-indigene Techniken, die ihr unmittelbares Umfeld zur Bienenzucht verwenden, d.h. bspw. lokale Materialien zur Herstellung der Bienenstöcke verwenden, sind auf dörflich-ländlicher Ebene sehr zuvorkommend darin, die Möglichkeit zum Weiterverkauf zu erwirtschaften (ebd.).

Mit dem richtigen Wissen ausgestattet, vermag auch das heimische Ökosystem der Bienen unter ökologische Beobachtung gestellt werden. Über ihre Bestäubung von ökosystemisch wichtigen und außerdem verzehrbaren Pflanzen, bis hin zu einem daraus folgenden Naturschutz hilft die Biene dabei, Arbeitsplätze zu schaffen und Armut zu bekämpfen. Wenn richtig umgesetzt und die Menschen kritisch geschult werden, können marginalisierte Gruppen, wie z.B. Frauen und Kinder daraus gesellschaftliche Teilhabe schöpfen (Wangunyu 2019a). Es zeigt sich demnach: die Biene kann einer Gemeinschaft um Kampf um die Klimakrise Resillienz bieten, um auf bessere Umstände hinzuarbeiten Zur Bedilderung dessen und zur Ausführung einiger konkreter Handlungsvorschläge soll nun ein Blick auf die Ogiek Gemeinschaft im Mau Wald, Kenia geworfen werden.

Die Ogiek Gemeinschaften im heutigen Kenia 

Der sub Saharische Kontinent war seit je her für die Produktion von Honig ohne synthetische Spuren von Metalen und Antibiotika bekannt – so wird der Honig bis zu 80% auf kommunaler Ebene hergestellt, wo die Landwirtschaft auf Agrochemikalia und dergleichen verzichtet (Chen 2021: 37). Diese Handhabung wurde von den Ogiek Gemeinschaften in den Mau Wäldern Kenias auf ihre eigene Weise bis heute weitergetragen. Sie stellen eine der ältesten Stammesgemeinschaften des heutigen Kenias und der zuvor bestehenden Länder dar und haben ihre Nahrungsmittel schon lange in Honig eingelegt, um sie für schwere Zeiten haltbar zu machen (Ogiek Honey Slow Food Presidium 2019). Sie siedeln bis heute im Mau Wald um den Berg Elgon herum nahe der Grenze zum heutigen Uganda, wo sie ca. 20.000-35.000 Menschen bemessen.  

Die Gemeinschaft liegt immer wieder in Rechtsstreitigkeiten (zur Verteidigung ihres Rechts, im Wald zu leben), die wiederum Fortsetzungen anderer Rechtsstreitigkeiten sind, welche ihrerseits bis in die Kolonialzeit in den 1930er Jahren zurückreichen, als das Volk der Ogiek ausgerottet und vertrieben wurde, um Platz für koloniale Siedler zu schaffen. In der Folge dessen unterließen die britischen Kolonialherren es, die Ogiek als Stamm anzuerkennen, was ihnen das Recht auf Land gegeben hätte, während der Mau-Wald für das Holz zum Antrieb von Dampfmaschinen ausgebeutet wurde (ebd.). Auch die Errichtung von Waldreservaten hat die Ogiek daran gehindert ihr Land zu betreten. Nach dem Zweiten Weltkrieg starteten die Engländer Aufforstungsprogramme, pflanzten jedoch ausschließlich exotische Arten, die für die lokale Bienenzucht ungeeignet waren. Seit den 1980er Jahren hat die Zerstörung des Mau-Waldes zwecks Tee- und Blumenplantagen, Kohleabbau oder Forstwirtschaft stetig zugenommen. In den letzten 20 Jahren wurden 60 % des Baumbestands des Waldes abgeholzt (ebd.). Die Ogiek Gemeinschaften wurden erst von den Kolonialmächten ihrer Zeit verstoßen, gejagt und dezimiert, um schließlich von kenianischen Regierungen unterdrückt und marginalisiert zu bleiben, weil seit 1993 an einer Untersuchung britischer Federführung festgehalten wurde, die das Land und dessen Menschen nicht anerkannte, sondern als nomadische Bevölkerung deklassierte (ebd.). Erst im März 2014 wurden die Ogiek in einem Urteil des kenianischen Gerichts als indigene Gruppe und Minderheit anerkannt (Violence against indeginous Africa). Am 26. Mai 2017 stellte das Gericht nach einem achtjährigen Rechtsstreit außerdem fest, dass die kenianische Regierung gegen sieben Artikel der Afrikanischen Charta verstoßen hat (ebd.). 

Damals haben die Ogiek Gemeischaft von den natürlichen Ressourcen des Mau Waldes gelebt, welcher als gemeinschaftliche Ressource geteilt wurde und in Gebieten auf die Clans/Famillien aufgeteilt wurde (Ogiek Honey Slow Food Presidium 2019). In ihrer Lebensweise haben sie sich Bienenstöcken bedient, die aus Zedern Holz (resistent gegenüber Parasiten) gefertigt wurden und in zylindrischen Rundhözern (log Hives) hoch in die Bäume gehangen wurden, um sie vor Fressfeinden und Parasiten des Bodens zu schützen (ebd.). Nur besonders geschulte und ausgewählte Individuen, meist Älteste, sind die Bäume hochgeklettert und haben den Honig in akrobatischer Leistung geerntet. Mittlerweile sind die Bienenstöcke auch auf dem Boden aufzufinden, um weniger sportlichen Menschen zugänglich zu sein. Heute besteht das Slow-Food-Präsidium der Ogiekum das Ökosystem des Mau-Waldes zu schützen und die Kultur des Ogiek-Volkes durch den Honig, ihr wichtigstes Produkt, zu fördern. Die Menschen in der Honigproduktion haben sich außerdem an der Aufforstung einheimischer Bäume beteiligt, um der Einführung exotischer Bäume in den Wald entgegenzuwirken. Darüber hinaus beteiligt sich die Ogiek-Gemeinschaft seit 2015 an Initiativen für verantwortungsvollen Tourismus in Zusammenarbeit mit der Slow Food Stiftung für biologische Vielfalt und NECOFA (dem Netzwerk für Ökolandbau in Afrika) (ebd.).

Das unbenutzte Potential von Bienenzucht 

Der Aufbau einer Bienenzucht in Kenia, die sich auf die Armutsbekämpfung, die Erhaltung der biologischen Vielfalt und die Bienenforschung konzentriert, erfordert verstärkt gemeinschaftsorientierte Ansätze. Kenias großes, natürliches Potential zur nachhaltigen Bienenzucht wird davon überschattet, dass riesige Landstriche, auf denen die Bienenflora gedeihen konnte, für die pestizid-reiche Nahrungsmittelproduktion und andere schädliche Praktiken wie die Holzkohleverbrennung gerodet werden (Wangunyu 2019b). 

Die Einrichtung von sogenanten Bienenzonen, Bereiche die zwecks Bienenzucht industriell unbebaut bleiben und ggf. auch als Naturreservat eingerichtet sind, sind eine gute Idee die Wiederaufforstung nicht nur in Kenia zu unterstützen, während die beteiligten Gemeinschaften unmittelbar davon profitieren können - insbesondere indigene Bevölkerungsgruppen können sich durch solche Zonen auf ihr Gebiet berufen und gleichzeitig einen nachhaltigen Nutzen daraus ziehen. Die Erzeugnisse der Biene können dem Verkauf oder individuellem Haushalt dienen. Di Imkerei kann als kostengünstige Tätigkeit (da Bienenstöcke und andere Ausrüstungen vor Ort hergestellt werden können) zur Beseitigung der Armut beitragen und diverse landwirtschaftliche Tatigkeit ergänzen, weil sie das Ökosystem ungemein stärken. Das impliziert eine Abkehr von profit-orienterten Monokulturen und ihnen vorrausgehenden Massenrodungen. Lokal nachhaltige Landwirtschaft wird durch die Biene gestärkt und kann gemeinschaftsorientiert die Produktion anstrengen. In der politischen Umsetzung und Errichtung von Zonen/Plänen nachhaltiger Landwirtschaft oder Reservaten in Ergänzung mit Bienen müssen die Gemeinschaften einbezogen werden. Die Biene nimmt in vielerlei Hinsicht von Entwicklungs- und Umweltpolitik eine zentrale Rolle ein. Es wird Zeit, dass politische Entscheidungsträger mehr gemeinschaftsorientierte Projekte der Bienenzucht anstrengen. Diese würden kurz- und langfristig Mensch und Natur zugute kommen. 

Quellenverzeichnis

Geschrieben hat

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