Im Einsatz für die Dunkle Biene

Im Interview gibt Belegstellenleiter Klaus Steinhilber Einblicke in seine tägliche Arbeit zum Erhalt der Dunklen Biene in der Belegstelle Stumpfwald. Die Belegstelle wird von proBiene gemeinsam mit dem Verein Dunkle Biene Rheinland-Pfalz e.V. betrieben und dient dem Erhalt sowie der Erforschung der Dunklen Europäischen Honigbiene (Apis Mellifera Mellifera). 
Du bist Belegstellenleiter, aber was ist eigentlich eine Belegstelle?

Eine Belegstelle dient der gezielten Anpaarung von Bienenköniginnen mit ausgewählten Drohnen. Da Belegstellen auf die Zucht bestimmter Bienenarten ausgelegt sind, wird versucht den Einflug fremder Drohnen, also Drohnen anderer Unterarten, zu verhindern bzw. so gering wie möglich zu halten. Um dies zu gewährleisten, sollte eine Belegstelle über einen Schutzradius verfügen, in welchem keine anderen Bienenarten aufgestellt werden dürfen. Leider gibt es in Deutschland immer wieder Züchter, die einen Anpaarungsplatz einrichten und diesen dann aber als Belegstelle bezeichnen, obwohl es sich nicht um einen geschützten Platz zur Anpaarung der gezielten Genetik handelt. Eine ausführliche Erklärung zur Königinnenzucht mit Belegstellen gibt es in diesem Blogartikel

Belegstelle Stumpfwald

Die Belegstelle Stumpfwald dient ja spezifisch der Zucht der Dunklen Biene (Apis Mellifera Mellifera), worum geht es bei dem Projekt genau?

Wir versuchen unsere ehemalige einheimische Biene, die Apis Mellifera Mellifera, genetisch zu erhalten. Dazu versuchen wir Restbestände dieser Unterart, die sich in anderen Ländern erhalten haben, zu importieren. Bei den ankommenden Königinnen prüfen wir dann die Reinheit mittels Flügelindex und natürlich auch DNA-Analyse. Dass man 100 % Apis Mellifera Melllifera findet, ist jedoch sehr selten. Einen sehr hohen Reinheitsgrad von beispielsweise 97 % kann man aber schon finden.

So versuchen wir jedes Jahr aus dem Ausland reine Populationen zu importieren und zu erforschen. Dieses Jahr bekommen wir z.B. noch Königinnen aus Irland, Russland und Norwegen. Haben wir dann reine Apis Mellifera Mellifera Völker, machen wir generell erst mal keine Leistungsprüfung (z. B. auf Honigertrag). Auf die Varroasituation müssen wir natürlich schauen, aber ansonsten geht es uns primär um den Erhalt der genetischen Reinheit. Denn zuerst müssen wir wieder eine einigermaßen große Population bekommen und erst dann können wir in die Selektion gehen. 

Warum sollten wir die Dunkle Biene erhalten?

Es ist mein Ziel die Dunkle Biene zu erhalten, weil ich sehe, dass die Dunkle Biene noch über einen riesigen Genpool verfügt, der vergleichsweise wenig durch menschliche Züchtung nach Nutztierkriterien beeinflusst wurde. Deshalb ist es für mich sehr spannend dieses genetische Potenzial zu erhalten. Was aber natürlich nichts bringt, wäre reine Zucht zu betreiben, den Genpool zu erhalten und dann aber in den gleichen Leistungsgedanken zu verfallen und die Biene wieder konsequent kaputt zu züchten. Dann wäre unsere Arbeit umsonst!

Dunkle Biene (Apis Mellifera Mellifera)

Dunkle Biene (Apis Mellifera Mellifera)/ Credit: Willibald Lang/Makrowilli

Was begeistert Dich an der Dunklen Biene?

Es ist spannend mit ihr umzugehen, weil einfach noch etwas mehr Ur-Biene in ihr steckt. Sie hat auch Tage, da ist sich kaum bearbeitbar, weil sie eben ihren Stock verteidigt. Das muss man halt als Imker akzeptieren. Gleichzeitig hat die Dunkle Biene im Vergleich zu anderen Honigbienen ganz besondere Eigenschaften. Sie kommt beispielsweise viel besser mit Schlechtwetterperioden klar, denn sie passt ihr Brutnest an die Trachtlage an. Außerdem verfügt sie über eine hohe Winterhärte, ist sehr robust und fliegt auch bei Wind und schlechterem Wetter. Mehr Informationen zur Europäischen Dunklen Honigbiene. 

Wie genau läuft der Prozess, wenn Du eine Bienenkönigin bekommst?

Königinnen, die wir aus dem Ausland kriegen, durchlaufen im Prinzip ein zweijähriges Programm. Nach deren Ankunft im Juni, Juli oder August werden sie in ein Volk eingeweiselt und dann über den gesamten Zeitraum beobachtet: Wie managen sie das Volk? Wie ist die Anlage des Brutnestes und des Winterfutters? Wie kommt sie aus dem Winter? Wie ist der Futterverbrauch? Außerdem führen wir über den gesamten Zeitraum regelmäßig Varroamessungen durch, zählen die Volksstärker und machen Hygienetests.

Wenn im Frühjahr dann die ersten Drohnen bzw. Drohnenlarven da sind, können wir DNA-Proben nehmen und finden so heraus, wie rein unsere Königinnen sind. Wenn dann die Völker die übrigen Selektionskriterien erfüllen und sehr rein sind, werden diese gezielt vermehrt. 

Wie ist der aktuelle Stand des Projektes?

Wir haben schone einige Herkünfte der Dunklen Biene untersucht, leider sind aber viel bereits stark hybridisiert. Nur noch bei den Königinnen aus den europäischen Randgebieten stimmt die Reinheit bislang. Insgesamt sind wir gut dabei, wir haben bereits die ersten reinen Populationen. In den nächsten Jahren wollen wir uns alle noch bekannten Dunkle Bienen Populationen anschauen und über ein bis zwei Jahre beobachten. Ziel ist es dann in den nächsten Jahren einige Bienen zu haben, wo die eine genetische Reinheit und auch das charakteristische Bild der Dunklen Biene stimmt. Dann müssen wir versuchen diese Linien zusammenzubringen, damit wir wieder eine Biene haben, die unserer ursprünglich heimischen Biene am nächsten kommt. Ideal wäre es dann noch, wenn sich diese Biene an den Klimawandel anpassen könnte. 

Mehr zur Dunklen Biene 

Da wir das besondere Potential und die Schutzbedürftigkeit für die Dunkle Biene erkannt haben, möchten wir auch in Zukunft auf die Belange der Dunklen Biene hinweisen und mehr Informationen zu ihr veröffentlichen. 

Wir freuen uns auf Unterstützung in verschiedenen Formen für unser Engagement für die Dunkle Biene und in unserem Projekt “Öko-Biene”, in Form einer Spende oder in der Öffentlichkeitsarbeit. 

Hallo,

ich bin Philipp Reichle.

Wir schwärmen für

Biene, Mensch, Natur.

Du auch? Werde Teil unserer Bewegung. Schließe dich tausenden Anderen an, abonniere unseren Newsletter und erfahre mehr über Bienen- und Artenschutz, ökologisches Imkern und unsere Bildung für nachhaltige Entwicklung.