Propolis ist das sogenannte Kittharz der Bienen – und damit ein Stoff, der so manchem Imker das Leben schwer machen kann. Doch was steckt eigentlich genau hinter dieser Substanz, wie entsteht sie und was hat sie mit Mumien zu tun? Antworten auf diese Fragen findet ihr in diesem Artikel.
Propolis – was genau ist das eigentlich?

Abbildung 1: Zusammensetzung von Propolis
Um zu verstehen, was genau Propolis eigentlich ist, muss man sich zunächst einen bestimmten Schutzmechanismus von Pflanzen wie zum Beispiel der Birken oder Erlen anschauen. Diese produzieren nämlich einen harzigen Stoff, die Propolis, mit dem sie Blatt- und Blütenknospen, aber auch Früchte vor der Witterung schützen (Nowottnick, 2018). Es besteht hauptsächlich aus Flavinoiden (Stoffe, die Pflanzen Farbe und Geschmack geben (Barghorn, 2025)), die genaue chemische Zusammensetzung ist allerdings je nach Pflanze sehr variabel. Die Propolis wird von den Bienen, genauer gesagt der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) und von stachellosen Bienen (Meliponen, Bolgbeitrag dazu hier) gesammelt, eingetragen, mit körpereigenen Substanzen angereichert und dann weiterverarbeitet.
Abbildung 1 zeigt die Zusammensetzung der „fertig verarbeiteten“ Propolis. Diese besteht dann zu etwa 50% aus dem Pflanzenharz, zu 30% aus Wachs und zu 10% aus ätherischen Ölen (Nowottnick, 2018). Die restlichen 10% machen Pollen, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenenlemente aus.
Eine klebrige Angelegenheit
Jeder, der schonmal das Harz eines Baumes angefasst hat weiß, wie schwer es ist, das Harz wieder von den Fingern zu bekommen. Deswegen kann man sich gut vorstellen, dass das Sammeln dieses klebrigen, harzigen Stoffes ist für die Bienen sehr anstrengend ist. Das ist auch der Grund, warum sich in der Regel nicht sehr viele Bienen dieser Aufgabe annehmen. Die, die diese Arbeit trotzdem übernehmen, konzentrieren sich dann ganz auf das Sammeln von Propolis und gehen keiner anderen Aufgabe nach.
Bei der propolisierenden Pflanze angekommen, nehmen die Bienen das Harz mit ihrer Zunge und den Mandibeln auf, fügen ihm ein Sekret der Mandibeldrüse hinzu und transportieren es dann mit den Körbchen des hinteren Beinpaares (Nowottnick, 2018) in ihren Stock. Ein Pollenkörbchen an den Hinterbeinen umfasst dabei eine Propolislast von ca. 10mg, was also zu einem Eintrag von 20mg Propolis pro Sammelflug führt (Nowottnick, 2018). Zum Vergleich: eine Biene selbst wiegt etwa 100mg (Imkerverein Prien, kein Datum).
Nach einem Sammelflug müssen diese Bienen eine längere Ruhe- und Futterpause einlegen, um wieder zu Kräften zu kommen. Deshalb sie täglich nur wenige Flüge absolvieren können.
Der Vorbau der Bienenstadt

Im Bienenstock kommt Propolis auf vielfältige Weise zum Einsatz. So wird sie von den Bienen beispielsweise zum Wachs dazugemischt und auf die Waben aufgetragen (Nowottnick, 2018). Dort beeinflusst sie durch ihre antibakteriellen und antimykotischen Eigenschaften die Gesundheit des Volkes positiv. Außerdem verwenden die Bienen das Material zum Abdichten undichter Stellen sowie zum Glätten und Einebnen von Beuteteilen.
Doch nicht nur zum Bauen kommt verwenden Bienen Propolis: Wenn größere Tiere wie zum Beispiel Mäuse oder Eidechsen in der Beute sterben, werden diese durch die Bienen mit Propolis überzogen und damit mumifiziert. So ist das Volk vor potentiellen Krankheitserregern, die von der Leiche ausgehen, geschützt.
Eine besondere Nutzung von Propolis haben die Bienen in tropischen und subtropischen Regionen entwickelt: Sie erreichten Barrieren und sogar Irrgänge am Flugloch aus Propolis, um Eindringversuche kontrollierbar zu machen und sich vor Feinden zu schützen. Daher hat der Stoff auch seinen Namen: „Pro“ ist altgriechisch und bedeutet „bevor“ und „Polis“ bedeutet „Stadt“ – zusammengesetzt also die „Vorstadt“ bzw. „Vorbau“ der Bienen.
Propolis wirkt!
Propolis hat eine Menge positiver Eigenschaften, die sich auch der Mensch gerne zu Nutze macht. So wirkt Propolis beispielsweise entzündungshemmend und antioxidativ, wirkt gegen Viren, Pilze und Parasiten, stärkt das Immunsystem, fördert Durchblutung und Gallenfluss und wirkt lokal betäubend und schmerzstillend (Nowottnick, 2018). Damit eignet sich Propolis hervorragend zur Unterstützung von therapeutischen Maßnahmen. Konkret kann die Anwendung sowohl in der äußeren (z.B. als Salbe oder Pulver), als auch in der inneren Anwendung (z.B. als Kapsel oder als Pulver im Honig) erfolgen. Beispielsweise kann das Auftragen von Rohpropolis die Wundheilung unterstützen und das Einbringen von mit einer Propolisemulsion getränkter Wattebausch kann bei entzündeten Gehörgängen helfen. Wichtig ist natürlich, das solche Behandlungen immer erst nach Absprache mit einem Arzt geschehen sollte.
Fazit
Abschließend kann man sagen, dass Propolis weit mehr ist als nur ein klebriger Baustoff im Bienenstock. Sie wird unter großer Anstrengung gesammtelt und dient nicht nur zum Abdichten kleiner Ritzen oder zur Mumifizierung größerer Eindringlinge, sondern schützt auch direkt die Gesundheit des Bienenvolkes. Und nicht nur die Insekten profitieren davon: Auch der Mensch macht sich therapeutischen Eigenschaften zu Nutze.
Also: Wenn Propolis euch das Imkern das nächste Mal erschwert, erinnert euch daran, was für Superkräfte in dieser Substanz stecken.
Quellen:
Barghorn, L. (19. März 2025). Flavonoide: Eigenschaften, Wirkung und wo die Pflanzenstoffe stecken. Von https://utopia.de/ratgeber/flavonoide-eigenschaften-wirkung-und-wo-die-pflanzenstoffe-stecken_116913/ abgerufen
Imkerverein Prien. (kein Datum). Bienen-Fakten: Die erstaunlichen Leistungen der Bienen - www.imkerverein-prien.de. Von https://www.imkerverein-prien.de/html/bienen.html abgerufen
Nowottnick, K. (2018). Propolis: Gewinnung - Rezepte - Anwendung. Graz: Leopold Stocker Verlag GmbH.

