Die Goldrute – Winterfutter für die Bienen

Die Goldrute ist eine überaus vielfältige Pflanze. Sie wird nicht nur zum Färben oder als Heilmittel verwendet, sie ist mit ihren knallgelben Blüten auch ein echter Hingucker.

Die Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea)

Die Gewöhnliche Goldrute ist in Europa und Asien heimisch. Sie wird 10-100cm groß und wächst besonders an trockenen Standorten wie in lichten Laubwäldern, an trockenen Wegrändern und in Magerrasen. Da sie nährstoffarme Böden besiedelt, ist sie ein Gewinn für Insekten und steigert das Pollen- und Nektarangebot an entsprechenden Stellen. Diese Nahrungsmittel für Bienen und Co. werden von der Goldrute üppig produziert. Die Pollen- und Nektarwerte werden für gewöhnlich auf einer Skala von 0-4 gemessen (0= kein Pollen; 4= Sehr gut). Beide Werte der Gewöhnlichen Goldrute liegen bei drei. Das entspricht einem guten Pollen- bzw. Nektarangebot. Daher ist die Pflanze auch ökologisch besonders wertvoll. Außerdem blüht sie von Juli bis Oktober, womit sie eine der letzten Nahrungsquellen von Insekten vor dem Winter ist. Die Gewöhnliche Goldrute eignet sich daher exzellent als Trachtpflanze und Bienenweide.
Der Name „Goldrute“ kommt – logischer Weise – von der Statur der Pflanze sowie von der gelben Farbe der Blüten. Der Artenname „virgaurea“ leitet sich vom lateinischen „virga“ und „aurea“ ab. „Virga“ bedeutet so viel wie „Rute“ und „aurea“ lässt sich mit „golden“ übersetzte.

Europäische Goldrute
Europäische Goldrute

Die schädliche Schwester

Die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), eine andere Goldrutenart, ist ursprünglich eine Zierpflanze aus Nordamerika. Seit 1644 ist sie in Europa nachweisbar, vor 1648 wurde sie wohl nach Paris importiert. Hier blieb sie zunächst eine bewunderte Seltenheit in Botanische Gärten und von Sammlern. Erst ab dem 19. Jahrhundert begann sich die Kanadische Goldrute in Gärten und Natur auszubreiten. Hier entwickelte sie sich schnell zu einem invasiven Neophyten, also einer ursprünglich ausländischen Pflanze, die heimischen Organismen schadet. Die Kanadische Goldrute verdrängt mit ihrer enormen Größe beispielsweise kleinere, lichtliebende Pflanzen. So wiederum werden Tierarten gefährdet, die diese Pflanzen als Nahrung benötigen. Da sie bis zu 19 000 Samen pro Stängel produzieren kann, vermehrt sie sich hierzulande problemlos. Außerdem bildet sie große unterirdische Ausläufer mit hohem Verdrängungspotetial.
Anders als die Gewöhnliche Goldrute blüht die Kanadische Goldrute nur von August bis Oktober, wird dann allerdings bis zu 2,50m hoch. Auch diese Art produziert viel Pollen und Nektar, jedoch wurde festgestellt, dass der Proteingehalt der Pollen seit der Industrialisierung um 30% abgenommen hat.
Zurückgeführt wird diese Entwicklung auf den steigenden CO2-Gehalt in der Luft. Dieser erhöht die Fotosyntheserate der Pflanze. Als Folge produziert sie selbst mehr Wasser und nimmt weniger davon über die Wurzeln auf. Mit dem Wasser aus dem Boden werden allerdings auch viele Mineralstoffe sowie Stickstoff aufgenommen. Stickstoff wiederum ist ein wichtiger Baustein von Proteinen. Dieser steht der Pflanze aber nicht mehr ausreichend zur Verfügung und es landen weniger Proteine im Pollen. Solch ein Verlust an Nährstoffen ist ein massives Problem für unsere Bienen.

Der Gesundmacher

Die heilende Wirkung der Goldruten war schon im Mittelalter bekannt: Das sogenannte „Heidnische Wundkraut “ wurde im 16. und 17. Jahrhundert von Heilkundigen beispielsweise als Wundauflage verwendet. Daher stammt auch der lateinische Name: „Solidago“ lässt sich in „Solidus“ = fest, gesund und „agere“ = machen auftrennen. Der Gattungsname bedeutet also so viel wie „der Gesundmacher“. Das ergibt auch Sinn, schließlich wirkt die Goldrute nachweislich entzündungshemmend, krampflösend und schmerzstillend.
Heute wird die Goldrute nicht mehr primär zur Wundbehandlung verwendet. Da eine stark harntreibende Wirkung festgestellt wurde, wird sie vor allem als Tee bei Harnwegsinfekten, Harnstein oder Nierenproblemen angewendet.
Dieser Effekt wird auf den hohen Gehalt an Saponinen zurückgeführt. Saponine sind eigentlich Defensivstoffe der Pflanze und schützen diese gegen Pilzbefall und Insektenfraß. Für Menschen ist die Goldrute zwar ungiftig, kann aber Kontaktallergien auslösen.
Doch Saponine sind nicht die einzigen heilenden Stoffe in der Goldrute. Zum Anlocken von Bestäubern produziert diese nämlich Flavonoide. Diese sind antiallergisch, antimikrobiell und antiviral. Sogar eine krebshemmende Wirkung wird ihnen nachgesagt.

Gelb, Gelb, Gelb…

Die Flavonoide sind auch für die knallgelbe Blütenfarbe verantwortlich. Goldruten lassen sich daher hervorragend zum Färben von Wolle oder Baumwolle verwenden. Die Stoffe erhalten dann einen goldgelben Ton.
Da synthetischen Farbstoffe erst um 1860 entdeckt wurden, haben natürliche Farbstoffe eine lange Geschichte. Bereits in der jüngeren Steinzeit färbten die Menschen ihre Kleidung mit Pflanzen und Samen. Das Färben mit tierischen Farbstoffen (z.B. aus roten Läusen) wurde erstmals in der Antike praktiziert. Im Mittelalter waren Hausfärbereinen besonders populär. Aus Kostengründen wurden hier erstmals nicht die Pflanzen verwendet, die am besten geeignet waren, sondern die, die man schnell und einfach vor der Haustüre finden konnte. Wie auch die Goldrute waren viele dieser Pflanzen gleichzeitig ein Heilmittel.
Da Gelb zu dieser Zeit eine der einfachsten Farben war, wurde sie verwendet, um die Geächteten zu kennzeichnen. So mussten Prostituierte gelbe Kopftücher und Schuldner gelbe Flicken tragen. Später erklärten Christen gelb zur Farbe der Juden.
Allerding war Gelb damals wie heute auch die Farbe des Goldes und der Sonne.

Malen mit der Goldrute

Mit der Goldrute lässt sich einfach ein schöner, gelber Farbton herstellen. Dafür wird der Stängelabschnitt mit den Blüten über Nacht eingeweicht und anschließend ausgekocht. So wird der Farbsud eingedickt und kann vermalt werden.

Fazit

Zum Schluss bleibt zu sagen: Ein Hoch auf die Gewöhnliche Goldrute! Sie stellt sich nicht nur als hervorragende Heil- und Färbepflanze heraus, sie ist auch eine echte Bereicherung für unsere Flora und Fauna. Heilen und Färben kann die Kanadische Goldrute zwar auch, allerdings kann sie ganz nebenbei auch richtig viel Schaden anrichten. Man sollte sich also die gelbe Pflanze im Garten mal genauer anschauen und herausfinden, mit welcher der Schwestern man es zu tun hat. Und selbst wenn es der kanadische Vertreter ist: Man kann sie dafür ohne schlechtem Gewissen Pflücken und zu einer schönen gelben Farbe verarbeiten ;-).

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Saponine

https://www.mein-schoener-garten.de/gartenpraxis/ziergaerten/goldrute-schmuckstueck-oder-neophyt-1746

https://de.wikipedia.org/wiki/Flavonoide#Bedeutung

https://www.kraeuter-buch.de/kraeuter/Goldrute.html

https://www.gartenjournal.net/kanadische-goldrute-giftig

http://www.eberhardprinz.de/blog/?p=4428

https://bienen-nachrichten.de/2019/co2-reduziert-proteinanteil-im-pollen/163

https://www.trachtfliessband.de/pflanzen/gewoehnliche-goldrute-solidago-virgaurea

http://www.bee-careful.com/de/initiative/junkfood-fuer-die-bienen-eine-unerwartete-gefahr-/

http://www.eberhardprinz.de/blog/?p=4818

http://www.eberhardprinz.de/blog/?paged=23

https://pixabay.com/de/

Spohn, Margot und Dr. Roland; Was blüht denn da?; Kosmos; 53. Auflage; Stuttgart; 2015

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ich bin Hannah Kullmann.

Hannah absolviert 2021/2022 bei proBiene ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ). Sie hat im Jahr 2021 ihr Abitur gemacht, ist naturwissenschaftlich sehr interessiert und sammelt leidenschaftlich gerne tote Insekten für Ihre Sammlung.

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