Maya-Imker

Ende September bekamen wir von proBiene Besuch von der mexikanischen Imkerin Leydi Aracely Pech Martin. Ihre Heimat ist der Landkreis Hopelchén auf der Halbinsel Yucatan. Und sie kam nicht allein: Irma Gómez González begleitete sie. Die Diplom Agrarökonomin berät die dortigen Imker, vernetzt sie und leitet ihre Forschungsarbeiten an.

Zusammen arbeiten sie in der indigenen Frauenorganisation Muuch Kambal, die sich 1995 in Hopelchén gründete und inzwischen durch ihre Arbeit in Bildungsprojekten und nachhaltiger Landwirtschaft eine Bedeutung über den Landkreis Hopelchén hinaus hat. Der Name Muuch Kambal bedeutet „Zusammen lernen“. Mit am Tisch saß Herr Gerold Schmidt, der als Mitarbeiter der NGO Ceccam in Mexiko die Reise organisiert hatte. Er setzt sich unter anderem im Auftrag von Brot für die Welt für die indigene Bevölkerung in Mexiko ein. Leydi Pech arbeitet mit der Melipona Beecheii, einer stachellosen alten Bienenart.

Der Honig dieser Art wird besonders geschätzt und erzielt gute Preise auf dem regionalen Markt. Allerdings produziert die Melipona Beecheii nach Aussage von Leydi Pech weniger Honig als andere Arten (etwa 3 Liter pro Volk). Während der Honig der Melipona regional vermarktet wird und die Bienenart fest zur ursprünglichen mexikanischen Insektenwelt gehört, darf man nicht vergessen, dass Mexiko einer der weltgrößten Honigexporteure in die EU ist. So wurden 2017 ca. 27.000 Tonnen Honig exportiert.

Der Export ist jedoch, bedingt durch das Bienensterben, Trachtmangel und anhaltenden Dürren, stark rückläufig. Diese Menge an Honig wird mit der Bienenart Mellifera erwirtschaftet. Die mexikanischen Imker sehen sich mit folgenden Herausforderungen konfrontiert, welche sie hier gegenüber der UNO für Menschenrechte ansprechen wollen: Territorien der indigenen Bevölkerung (meist Urwald) sind durch eine starke Entwaldung gefährdet. Auf den gerodeten Flächen wird teilweise illegal Gen-Soja angebaut.

Der Klimawandel verändert die jahreszeitlichen Abläufe von Regen- und Trockenzeit. Dürren und Überflutungen erschweren den Mayas den traditionellen Anbau von Früchten und Gemüse zur Selbstversorgung. Durch sogenannte Schluckbrunnen werden Landschaften trockengelegt, um sie agrartechnisch nutzbar zu machen. Es kommt zur Grundwasserverseuchung durch einen hohen Pestizideinsatz mit Kleinflugzeugen. So übersteigt der Glyphosat-Wert im Grundwasser und selbst in abgefüllten Trinkwasser-Flaschen den europäischen Grenzwert um ein 30faches. Abschließend betonte die mexikanische Imkerin Leydi Pech, dass es ihr bei ihrer Arbeit vor allem um den Erhalt des natürlichen Lebensraums gehe. Ihre eigene Nahrungsproduktion sei stark abhängig von der einheimischen Wildbienenart Melipona. Außerdem spielt diese Bienenart eine große Rolle in der kulturellen Identifikation der Mayas. In einer Bienenwabe mit ihren vielfältigen Ausprägungen an Pollenfarben, Larven und verdeckelter Brut lasse sich am besten das komplexe Verhältnis der Maya zur Natur mit ihren vielfältigen Landschaft, Pflanzen- und Tierwelt zusammenfassen.

 

Artikel aus der "BienenZeitSchrift Ausgabe 1 | 2017"

 

Über die Melipona beecheii

Die Melipona beecheii tragen den Maya-Namen Xunan Cab. Er bedeutet so viel wie „Königliche Dame“. Das Bienenvolk gehört zur Art der stachellosen Bienen. Doch die Bezeichnung täuscht: Durch einen Biss erzeugen sie bei Menschen ähnliche Symptome wie ein Moskito-Stich. Die Maya binden die Bienenart in viele ihrer religiösen und rituellen Praktiken ein.

Die Zahl der Melipona-Imker sinkt seit einigen Jahren drastisch. Während es in den 1980 ern noch mehrere tausend gab, sind es heute lediglich siebzig Imker, die mit der Melipona arbeiten. Grund dafür ist eine in Amerika weitverbreitete Bienenart, eine Kreuzung der ita­li­e­nischen Honigbiene mit einer afrikanischen Rasse. Sie ist wesentlich aggressiver, vermehrt sich jedoch besonders schnell und hat einen weitaus höheren Honigertrag. Es gibt allerdings bestimmt Pflanzenarten, die nur durch die Melipona bestäubt werden. Da sie immer weniger werden, geht auch die heimische Vielfalt an Gewächsen zurück.

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ich bin Tobias Biesenbach.

Tobias Biesenbach hat 2017 seine Ausbildung zum Imker absolviert. Er hat seine Praxiserfahrung in der Imkerei "derBienenfreund" in Österreich und in der Demeter-Imkerei Summtgart gesammelt. Anschließend hat er bei proBiene mitgewirkt.

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